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Cannabis, oder: Zugedröhnt schmerzt es sich besser?

Immer häufiger wird Cannabis in der Schmerztherapie eingesetzt, zumindest in einigen Ländern und Regionen. Aber wie sieht der Nutzen für Rheumakranke aus?

„INDIANS cigarillos to Cannabis Indica“. Gazzetta provinciale die Bergamo, 1881. Gemeinfrei.

INDIANS cigarillos to Cannabis Indica“. Gazzetta provinciale die Bergamo, 1881. Gemeinfrei.

Ich weiß nicht, wie viele meiner Leser_innen schon mal sich einen Joint reingepfiffen oder einen Space-Cake gemümmelt haben. Aber die beiden Wörter beschreiben bereits, womit man Cannabis am häufigsten in Verbindung bringt: Rauschzustände. Der Schmerzmedizin geht es weniger darum als um die Wirkung der Inhaltsstoffe auf Psyche und Körper.

Neben den in den Medien oft diskutierten THC-Verbindungen, die vorwiegend für den Rauscheffekt zuständig sind, beinhaltet die Cannabispflanze (Hanf) einen ganzen Haufen weiterer Cannabinoide. Manche davon, wie zum Beispiel Cannabidiol, zeigten sich in Tests wenig bis gar nicht psychoaktiv, dafür entzündungshemmend und entspannend – ideale Voraussetzungen für ein Medikament für Schmerzpatienten? Nicht nur, Cannabidiol rückt auch immer mehr in den Fokus der Langzeittherapie der Epilepsie und gar von Erkrankungen im schizophrenen Umfeld, wo Rauschmittel eigentlich eine ganz schlechte Idee sind.

Also nix da mit zugedröhnt. Das Problem ist jedoch, dass nur wenige Mittel auf Cannabis-Basis in der Schweiz oder in Deutschland eine Zulassung haben. Und dann meist in der Behandlung schwererer Krankheiten wie zum Beispiel Krebs eingesetzt werden. In der Rheumabehandlung gilt eine Cannabis-Therapie als experimentell. Persönlich ist mir nur ein Fall bekannt, wo eine Patientin mit Fibromyalgie („Weichteil-Rheuma“ oder „Faser-Muskel-Schmerz“) ein solches Medikament bekommen hat. Unter strengster Beobachtung des verschreibenden Schmerz-Spezialisten.

Das heißt auch, dass sich nicht wenige Schmerzpatienten mit dem Gedanken der Selbsttherapie herumschlagen. Sich also überlegen, sich einen Joint reinzupfeifen oder einen Space-Cake zu mümmeln. Meine recht deutliche Haltung dazu ist:

Bitte nicht.

Erstens ist es nicht ganz einfach, an „sauberen Stoff“ zu kommen, besonders dann, wenn man nicht eh schon Konsument ist und entsprechend seine Kontakte hat. Anekdotisch wird von verschiedenen fantasievollen Streckmitteln bis hin zu Glas berichtet. Nicht gut.

Dann darf die psychoaktive Wirkung von Cannabis nicht unterschätzt werden; bei entsprechender Veranlagung liegt gar eine „cannabisinduzierte Psychose“ drin. Auch nicht schön.

Da die entzündungshemmende, schmerzlösende und entspannende Wirkung zwar im Konsum-Cannabis steckt aber der THC-Rausch mehr oder minder stark überwiegt, kann ich jedem nur von solchen Experimenten ohne ärztliche Begleitung abraten.

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