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Die Krux mit der Krücke.

Auch wenn Dr. House den Krückstock cool machte bleibt festzuhalten: Krücken sind Werkzeuge. Manchmal nötige Werkzeuge, manchmal ein Stilelement. Aber für Betroffene immer: Werkzeuge.

Entsprechend zweckorientiert sollte man seine Krücke auswählen. Wer sich bereits in vergleichsweise jungen Jahren mit chronischen Schmerzen in seinen Füßen oder Beinen herumplagt sollte die Investition in einen korrekt angepassten Gehstock erst recht nicht scheuen. Das heißt:

  • Bequemer Griff, der das halbe Körpergewicht schön auf eine (Griff-) Fläche verteilt. Manche mögen gepolsterte Handteile, andere finden die affig. Geschmackssache.
  • Passende Höhe. Das heißt meistens: Fixe Höhe, nicht-verstellbar.
  • Fuß mit rutschfestem, nun ja, Fuß; im Idealfall austauschbar, falls man Eis erwartet und Spikes montieren will.

Zur Not tut’s auch ein Gehstock aus der „Nordic Walking“-Abteilung des gutsortierten Sportfachhandels. Wirklich glücklich wird man auf Dauer damit allerdings nicht: Man kann sich nicht bequem abstützen. Das geht in den Unterarm, Ellenbogen, Schultern und am Ende in den Rücken. Ich spreche hier aus Erfahrung.

Teleskop-Auszug ist praktisch, ja – Stock gerade nicht nötig? Zusammengeschoben passt er in die Umhängetasche. Aber er ist weniger stabil als eine Krücke aus einem Stück. Und die genau richtige Höhe lässt sich nur dann einstellen, wenn man Markierungen anbringt und darauf hofft, dass der Auszug nicht verrutscht. Ein, zwei Zentimeter zu lang oder zu kurz, und man darf sich auch noch um Sekundärschmerz kümmern, weil man krumm durch die Gegend humpelt.

Also ab ins „Sanitätshaus“ des Vertrauens. Je nach Schwere des Rheumas kann man die Kosten für eine ordentliche Krücke auch an die Krankenversicherung weitergeben. Oder es zumindest versuchen; sie zeigt sich bei orthopädischen Hilfsmitteln oft recht knausrig. So oder so ist ein Rezept des Rheumatologen oder der Orthopädin nützlich.

Sieht etwas affig aus, aber egal.

Sieht etwas affig aus, aber egal.

Noch nützlicher ist es, wenn man den Stock passend führt. Da liefern US-Serien leider oft fragwürdige Vorlagen. Ich halte mich an die Grundregel: Der Stock wird an der Seite geführt, die nicht weh tut („kontralateral“), als zusätzliche Stütze, wenn man mit dem Aua-Bein auftreten muss. Als Ersatzbein, wenn man so will, um etwas Stabilität zu gewinnen. Rechter Fuß befindet sich gerade in der Gicht-Hölle? Stock links tragen und dann ansetzen, wenn auch das rechte Bein vor soll. So hat man eine Stütze, während man mit dem schmerzenden Fuß auftritt. Und das ist doch die Idee eines Krückstocks?

Wer wie Dr. House darauf besteht, die Krücke auf der schmerzenden Seite zu führen („ipsilateral“), kann das natürlich gerne machen. Für mich ist das nichts; Nebenwirkungen sind nach ein paar Tagen Verspannungen und Muskelkater. Und damit wieder, auf Dauer: Sekundärschmerzen. Kein Wunder, muss der Typ Vicodin schlucken wie ein Großer.

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